Suche

André Boeing / Cyberhippie

Schlagwort

Jugendarbeit

Medien- und Kreativwerkstatt im Jugendhaus Freiraum – Abschlussphase

kollage-web-bannerwhouse

Ein außerschulisches Freizeit- und Bildungsangebot für junge Menschen der Mediengeneration im Jugendhaus Freiraum, Witzenhausen.

Bis zu 12 Teilnehmer pro Einheit im Alter von 9-23 Jahren nehmen seit der Aufbauphase im März 2011 am medienpädagogischen Angebot im Jugendhaus teil. Dienstags und Donnerstags zwischen 14 und 18 Uhr, Mittwochs als optionales Angebot im offenen Café, an einem Intensivsamstag im Monat und in den Ferien besuchen die jungen Teilnehmer hoch motiviert die Medien- und Kreativwerkstatt. Als Medienkonsumenten werden sie im Angebot zum Erwerb von Medienkompetenzen zusätzlich als Medienproduzenten mit den verschiedenartigen Sozialen Medien befähigt.

2012-04-19 17.05.59„Worauf hast DU Bock ? Was sind DEINE Leidenschaften ? An welchem Projekt möchtest DU arbeiten ?“ sind dabei die Ausgangsfragen des außerschulischen Bildungsangebotes. Lernerfolge steigen bewiesen exponentiell, wenn ich für ein Thema „brenne“ – wenn es mich persönlich interessiert, wenn ich Leidenschaft dafür empfinde. In praktischen Projekten entwickeln die Teilnehmer  ihre Kompetenzen  im Grafik-, Game- und Webdesign und in der Videoproduktion. Sie produzieren zum Beispiel Poster, Flyer, Grafiken, Websites, eigene Videospiele und Video-Spielereportagen. In der Jugendfirma „Die ARGentur“  am Dienstag erproben langjährige Mitglieder der Medienwerkstatt die ersten Schritte im Arbeitsleben einer Social Media Agentur, in der sie ihre erlernten Kompetenzen als Dienstleistung sozialen Organisationen anbieten. „Softskills“ wie z.B. Teamwork, Fokus/Konzentration und lösungsorientiertes, kreatives Denken werden in den praktischen Projekten ebenso entfaltet.

Die Medienwerkstatt  begleitet auch politische und kulturelle Veranstaltungen mit der Kamera – mit Twitter und Facebook. So wurden unter Anderem zur Kommunalwahl und Bürgermeisterwahl Youtube-Videos einer Podiumsdiskussion produziert, auf dem zweitgrößten DE Open Air Festival „Open Flair“ Videointerviews mit Künstlern zum Thema Zivilcourage geführt und eine Konferenz zur ökologisch/ökonomischen Bürgerbewegung an der Universität Kassel/Witzenhausen mit einer Social Media Live Berichterstattung begleitet.

Als Pilotprojekt wurde das Thema „eSport im Jugendhaus“ mit einer Stadtmeisterschaft zu einem beliebten Multiplayer-Game erfolgreich eröffnet und hat zahlreiche Spieler von den heimischen Rechnern in einen gemütlichen, physischen Begegnungsraum im Jugendhaus gelockt, in dem auch Billard gespielt, gemeinsam gegessen und gekickert wurde.

Als Motivationselement und Erfolgsindikatoren hat sich ein Punktesystem bewährt, das aus den „Game Dynamics“ entlehnt ist. Was in Videospielen für eine hohe Motivation sorgt, ist auch in Bildungssituationen förderlich. So erhalten die Teilnehmer z.B. für die aktive Teilnahme am Wochenangebot und nach Projektabschlüssen Aktionspunkte und Erfolgsabzeichen. Ab einer bestimmten Punktzahl steigen die Teilnehmer im (Erfahrungs)Level und erhalten z.B. eine Gutscheinkarte für Snacks und Getränke an der Theke im Jugendhaus. Die Punkte/Level/Erfolge  dienen als spielerisches Feedbacksystem für das eigene Erfahrungswachstum. Sie sind wertfrei im Kontrast zum z.B. „Gut“, „Ausreichend“, „Mangelhaft“, „Ungenügend“ und zugleich nicht wertlos, da sie Engagement, sowie „Try & Error“ wieder spiegeln. Es spielt keine Rolle, wie häufig ich in meinem selbst gewählten Projekt „Fehler“ gemacht habe und wie lange ich dafür benötige. Am Ende meines Engagements erhalte ich meine Punkte und ein Erfolgsabzeichen.

die-argentenScheinbar beiläufig und doch ein sehr wesentliches Kernelement der medienpädagogischen Arbeit ist die tiefe Vertrauens- und Beziehungspflege mit den jugendlichen Teilnehmern. Jugendseelsorge, Lebensberatung oder Jugendcoaching nehmen im Angebot also einen festen Bestandteil ein.

In den zurückliegenden 23 Projektmonaten konnte das medienpädagogische Angebot mit 11.252 € realisiert werden.
86% wurden aus den kommunalen Töpfen der Jugendförderung (Stadt Witzenhausen) als Honorar für  den freien Medienpädagogen und Projektinitiator André Boeing gezahlt. 14% gingen an die Modernisierung veralteter Rechner aus dem kommunalen Topf des Jugendrates der Stadt Witzenhausen.

In der Projektabschlussphase  Januar-Juli 2013 werden nun verstärkt jugendliche Multiplikatoren ausgebildet, die nach den Sommerferien selbständig die Fortführung der Medien- und Kreativwerkstatt übernehmen können – als ehrenamtliches Angebot von Jugendlichen für Jugendliche. Neben medienpädagogischen und -gestalterischen Intensivtrainings sollen die Multiplikatoren durch ein Jugendgruppenleitertraining (JGL) qualifiziert werden. Die Rolle des Medienpädagogen wechselt nach dem Sommer von der Leiterfunktion zum Coach.

Der finanzielle Restbedarf für den Projektabschluss und Launch des Angebotes von Jugendlichen für Jugendliche soll über Spenden und Fördermittel gedeckt werden.

Fazit: Videogames, Youtube , Social Networks und das mobile Netz sind ein fester, nicht selten auch dominierender Lebensbereich der jungen Mediengeneration.  Die „Digital Natives“ (Digitalen Ureinwohner) finden sich häufig in einem kulturellen Spalt mit den „Digital Immigrants“ (Digitale Immigranten) wieder, die ihnen unter Anderem mit Befremdung, Unverständnis oder auch Vorurteilen begegnen – besonders dann, wenn es um die Kunstform der Videospiele geht, die nicht als solche erkannt und pauschalisiert als gewaltverherrlichende Verdummungs- und Fluchtmedien stigmatisiert werden.

In der Medien- und Kreativwerkstatt sollen die Jugendlichen zunächst einmal eine vorurteilsfreie Anerkennung und Wertschätzung ihrer „digitalen Lebenskultur“ erfahren. Auf dieser Basis und Beziehungsnähe kann sich ein selbstkritischer Umgang mit den „Sozialen Medien“ (früher „Neue Medien“) entfalten. Mit dem Fokus auf die Entwicklung von Kreativität und Kompetenzen in der Medienproduktion wird der Selbstwert erhöht, berufliche Qualifikationen gefördert und eine Wert.schöpfung angeregt.

Die „Sozialen Medien“ sind ein mächtiges Wissens- und Gestaltungsmittel der Demokratie. Wer sich in ihnen nicht nur als Konsument bewegen kann, hat Gestaltungskompetenzen. Kompetenzen, die wir im exponentiell wachsenden Wandel dringend benötigen.

Die Medien- und Kreativwerkstatt der ländlichen Region Witzenhausen mit ihren rund 1000 Jugendlichen möchte dazu beitragen und ganz einfach ein attraktives Angebot in einer kulturell strukturschwachen Gegend schaffen, das von Jugendlichen gerne besucht wird – in dem sie sich wohlfühlen und Abseits vom Druck der Schule spielerisch Medien- und Lebenskompetenzen entfalten können.

IMG_0014

Advertisements

Fachtagung "Jugendarbeit in der Mediengesellschaft"

Am letzten Montag öffnete die Tagung für Jugendsozialarbeiter/innen regionaler Jugendzentren und -Räume den Dialog über den „Stadtteil, in dem sich viele Jugendliche immer länger aufhalten, der aber schwer zugänglich bis nicht erreichbar ist“: Die sozialen Medienwelten.

Klaus Rummler, Medienpädagoge im Fachbereich Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der Uni Bremen gab einführend einen wissenschaftlichen Einblick in da Thema: „Jugend-Medien-Gesellschaft. Medienbildung in riskanten Jugendkulturen“

Im „World Café“ und in den folgenden Workshops wurde den Teilnehmer/innen deutlich, dass sie einen starken Fortbildungsbedarf für die Entwicklung der eigenen Medienkompetenz haben. Eine Kompetenz, mit der sie folgenden Fragen im Kontext ihrer Arbeitsfelder praktisch weiter nachgehen können:

  • Wie können wir als Jugendsozialarbeiter mit unserer Arbeit und Präsenz in das soziale Mediennetz herausreichen ?
  • Welche lokalen, attraktiven Medien- und Medienkompetenz Angebote  können wir Jugendlichen bieten, die für sie eine echte Alternative zum heimischen PC-Leben sind ? Wie müssen wir dafür ausgestattet sein ?

Ein Tag zu einem komplexen, sich rasant verändernden Thema kann zunächst einmal nur das Thema öffnen, im Dialog deutlich werden lassen, welche gemeinsamen Herausforderungen vorhanden und zu bestehen sind – und welche Kompetenzen entfaltet werden müssen, um diesen begegnen zu können.

Als Referent war es für mich spannend, an diesem Tag den Dialogen und Fragen zu lauschen und einen Einblick in die virtuelle Jugendarbeit in sozialen Spielwelten geben zu können. Die eigene Quest, mit der ich aus diesem Tag heraus gegangen bin: Verstärkt Baukästen und Fortbildungsangebote für Jugendarbeiter/innen zu entwickeln.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

Nach oben ↑