oder: Interkulturelle Kommunikation zwischen 2 Spezies, eine kleine Übung.

bremsenfruehstueck

Sommerzeit – Partyzeit und Hauptsaison für das Insektenvolk. Am Tage nerven Fliegen und Pferdebremsen mit Hektik und scharfen Bissen. In der Nacht übernehmen Mücken ihr nerviges Liedchen am Ohr und juckendes Saugen am Tag danach.

Wir Menschen zerschmettern jene Nerver für Gewöhnlich klatschend und mit wütendem Elan…oder lassen sie im Kleber langsam verenden, während wir zahlreich Sprühzeug für unsere Haut verwenden.

“Nutzlose Biester – die saugen doch nur Blut und nerven mit ihrer Hektik” sagen wir uns ethisch Erhaben fühlend, während wir das nächste Biest zerquetschen.

Ironie eigentlich – denn das Menschenvolk saugt enorme Mengen Blut – nicht nur von der gesamten Erde und Millionen von Spezies – auch voneinander und besonders von anderen Säugetieren. In unserer eigenen nervigen, raumeinnehmenden Hektik schlagen wir das Fliegenvolk um Längen.

Heute entscheide ich mich zur Abwechslung, einem Vertreter vom Volk der Pferdebremsen – ganz interkulturell bemüht 😉 – ein ruhiges Frühstück zu schenken und dabei Zeit mit ihm oder ihr zu verbringen. 

Zeit – ja Zeit braucht sie. Mehr als 20 Minuten nuckelt sich gleich einem Säugling an ihrer Einstichstelle auf meiner Haut. Ich habe sie ruhig landen lassen. Sie hat Betäubungs- und Blutgerinnungsmittel mit an Bord und so betäubt sie mich in aller Ruhe – denn ich verscheuche sie nicht. Ein Arzt könnte auch nicht schmerzlos betäuben, wenn wir uns als Patient ständig hektisch wehren. Ich merke den Einstich nicht – auch später, als sie ihre langen Klammern weiter herum bohrt. 

Eigentlich ist ihr Gesicht recht niedlich. Die Insektenaugen groß nach oben gerichtet, grinst sie mich mit einem Smiley Gesicht an, während sie weiter nuckelt. 

Der Rest ist Unspektakulär. Ruhig verbringen wir 30 Minuten miteinander. Ein gemeinsames Frühstück. Und doch kehrt eine wohltuende Verbundenheit ein – Frieden, Mitgefühl, Nächstenliebe und ein dankbares “Wow – wie wunderbar doch die Verschiedenheit des Lebens ist”. Wir verabschieden uns voneinander…

Als sie fliegt, gerinnt mein Blut wunderbar. Als ich den heilenden Propfen später wegstreiche, ist so gut wie Nichts zu sehen. Auch ist kein Jucken spürbar.

Ich empfehle diese kleine Übung. “Heute schenke ich einer Pferdebremse ein ruhiges Frühstück” als Interkulturelle Friedensübung und freue mich auf ein Mit-Teilen Eurerseits.

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