1. Ruf: Erfahrung eines Mangels oder plötzliches Erscheinen einer Aufgabe
  2. Weigerung: Der Held zögert, dem Ruf zu folgen, beispielsweise, weil es gilt, Sicherheiten aufzugeben.
  3. Aufbruch: Er überwindet sein Zögern und macht sich auf die Reise.
  4. Auftreten von Problemen, die als Prüfungen interpretiert werden können

Stationen 1-4 im Zyklus der mythologischen Heldenreise nach Joseph Campbell

Im letzten Dezember schlich sich eine Unzufriedenheit mit meiner beruflichen Situation ein – zunächst als leichtes Vorbeben, dann zunehmend als erschütterndes Er(d)beben, das nicht mehr ignoriert werden konnte. Eigentlich schön, wenn die persönlichen Ignoranz Strategien nicht mehr so recht funktionieren wollen und wir uns dem stellen müssen, was da eigentlich ruft. Der Ruf führt häufig zunächst ins Unbekannte, lädt uns auf eine Reise – eine Quest ein, in der es gilt, die Komfortzone aufzugeben.

Ja, ich war und bin Freiberufler, woraus sich „frei Berufen“ ableiten lässt. In der Vergangenheit konnte ich an vielen spannenden Projekten arbeiten, die hier und da verstreut zeigen, welche Talente und Arbeitsfelder als Keime im Garten der Möglichkeiten liegen.

Situation Dezember: Als Web Designer und -Developer kann ich von Zuhause aus arbeiten, meine Kunden können von „Sonstwo“ her kommen, der Markt ist groß und mit ein wenig mehr Engagement könnte es eine gut bezahlte Auftragslage geben. Web Design und -Development aber sind nur ein Bruchteil meiner Talente. Ich fühlte mich wie Jemand, der mit einem ganzen (Talent)körper ausgestattet ist, aber nur 2 Finger davon benutzt – höchst unbefriedigend und irgendwie lähmend.  Ich liebe am Webdesign die Ideen- und Konzeptionsphase, das kreative Rapid Prototyping; doch wenn es zu den vielen Detailarbeiten und den teilweise sehr langfristigen Support Anfragen der Kunden kommt, verliere ich schnell die Leidenschaft und Motivation.

Herausforderung 2 ist, dass ich das Medium Geld nicht mag – verlernt habe, suverän wie ein Geschäftsmann marktübliche Preise zu nehmen, darüber hinaus auch noch ein wenig stolz und froh darüber bin.  Ich habe ein Beziehungsproblem mit dem Thema Geld – hangele mich ohne Rücklagen mit 400-800 Euro durch einen Monat, was in unserem Land und seiner wachsenden Produktverteuerung zunehmend schwieriger wird.

In der Erschütterung und Infragestellung des beruflichen Status Quo öffnete ich mich neuen Wegen. Ich ließ die Rufzeichen fallen und akzeptierte das große Fragezeichen, den Beginn einer jeden Quest(ion). Wenn eine Tasse Tee sich leert, kann sie mit frischem Tee gefüllt werden. Zwei neue Aufträge trudeln im Dezember ein: Die Produktion eines animierten Machinima 3D Video Trailers für ein inter-religiöses Bildungsprojekt der Göthe Universität Frankfurt und die Vorentwicklung eines Cross Media Games für eine städtische Jugendförderung. Filmproduktion und Game Design in Verbindung mit Jugendmedienarbeit gesellen sich also zu meinem aktuellen Service Portfolio. Ich bin zufrieden mit den neuen Aufträgen und OK mit den geringen Budgets dafür, die mich finanziell einen Monat weiter bringen. Neben den 2 Fingern am Talentkörper regten sich ein Auge und ein Unterarm mit Handgelenk.

Hier und heute – Mitte Februar und 2 Monate später, scheint die transformatorische Blissness Reise in „Das Element“ noch immer am Anfang zu stehen. Die Wahlmöglichkeiten für den Weg sind groß, doch schenkt Auswahl nicht immer Freiheit – sie kann auch lähmen. Die Qual der Wahl. Meine Produktivität ist aus meiner perfektionistischen Sicht noch auf Sparflamme – Talente und Leidenschaft haben noch nicht so recht zusammen gefunden. Kurzum: ich bin noch nicht in meinem Element. Heute habe ich mich entschlossen, dieses öffentliche Tagebuch einzurichten – als reflektive und kreative Unterstützung für meinen eigenen Weg und  (wenn Du mit einigen Brocken hier etwas anfangen kannst) für Dich liebe(r) Leser/in……

Advertisements