Saharah - 2001
Saharah - 2001

Ich habe Durst. Un.glaublichen Durst ! Und wenn ich gerade nicht mit meinem Durst beschäftigt bin, habe ich Hunger.

Ich wandere durch die Wüste. Un.endlich Allein irre ich durch die innere Trockenheit, durch dunkelste Nacht.

De-hydriert, ohne das Wasser des Lebens, beginnt mein Geist zu irren. Er klammert sich an seine Fata Morganas, nebelhafte Gaukeleien, scheinbare Oasen für die Befriedigung meiner zahlreichen apetitos. Mein Geist will den Rand nicht loslassen, weil er das Loch fürchtet. Der Rand gibt ihm halt, gibt ihm Identität, gibt dem unfassbaren Loch eine greifbare Grenze. Das Loch aber – es führt ins Unbekannte, in einen verwandelnden Strudel. Nein – ich will nicht loslassen und Ja! ich will……

„Gott mein Gott – meine Seele dürstet nach Dir!“ schreie ich in die leere Wüste. Mein Schrei und die Echos werden zu meinem Mantra – im Sandsturm von Raum und Zeit. Doch Gott ist nicht im donnernden, tosenden Sturm. „Gott mein Gott – meine Seele dürstet nach dir….“ ich rufe weiter…..un-entwegt auf dem Weg durch das trockene Land meiner Seele.

Und diese erbarmungslose Sonne in der Wüste. So hell und so grell, dass sie alles in finsterste Nacht taucht, weil meine Augen das Licht noch nicht wieder ertragen können. Dieses Licht, diese Christus-Sonne, die so hell strahlt, das sie all das, was mir zuvor Licht war, als Dunkelheit enthüllt.

Dann – nach einigen Tagen: Der tosende Sturm legt sich…es wird ruhiger…ruhiger…still….ganz Still. Jetzt-Hier: Ahh die  Dämmerung …zartes Licht im neuen Morgen. Ein sanftes Säuseln – frische Brise. Ganz fein, kaum hörbar, sprudelt ein frischer Quell aus dem Wüstenboden. Feines Tröpfchen – ich trinke dankbar. Neben mir, einst Stein in meinem Irren: Köstliches Brot aus der Saat des Himmels und der Erde. Ich koste, dankbar…unendlich dankbar.

Kleiner Tropfen vom Wasser des Lebens – kleiner Krümmel Brot, ihr habt meine Seele genährt. Gestärkt erhebe ich mich in der Wüste und gehe…Schritt für Schritt…von Moment zu Moment… der kommenden Sonne entgegen………

Metanoia – Gehe…gehe weiter…gehe weit darüber hinaus. Denke darüber hinaus…kehre um zum Usprung. Die oben beschriebene Reise hat mich eine Woche lang bis zum staatlichen Feiertag: Buß und Bettag beschäftigt – mich gereinigt, meinen Glaubensweg in der christlich-kontemplativen Mystik erneuert. Ungeplant, aus heiterem Himmel und doch perfekt getimed, wie ich jetzt, da ich der Wüste wieder entschlüpft bin, erkennen darf. Freilich wird sie mich bald wieder rufen, die wüste, dunkle Nacht – denn als Mensch bin ich ein Meister der Irrwege. Doch jetzt ist erst einmal ein neuer Tagesanbruch und ich bin gestärkt vom Wasser und Brot.

Für einen Alkoholiker ist der Alkohol das Licht, dass ihn durch den Tag bringt. Das „trocken werden“ aber, erscheint ihm als absolute Dunkelheit.
Nach ein paar schweren Schritten jedoch, z.B. auf dem 12-Schritte Weg, wird dem Alkoholiker die Trockenheit zum neuen Licht und sein scheinbares Licht: der Alkohol, zum Dunklen.

Für mich als mentaler Egoholiker ist die Welt meines Ich´s normalerweise das Licht, das mich durch den Tag bringt.  Es entscheidet, plant, definiert sich, identifiziert sich mit diesem und jenen – unglaublich wichtig und beschäftigt. Das „Trocken werden“ und die Schritte durch die inneren Wüstentage aber, erscheinen mir normalerweise als bedrohliche Dunkelheit.

Auf dem mystisch-kontemplativen Weg  zieht die reinste, größte und kleinste Liebe, die Gott ist, mein Ich an sich, in sich hinein. Gott möchte mich verwandeln, seiner unendlichen Liebe ähnlich gestalten. Wenn ich wieder einmal ein Stückchen von meiner Ich-Trunkenheit erwache, wie in den letzten Tagen, und von der göttlichen Liebe koste, ihrer verwandelnden Kraft´- ja dann erscheint mir meine bisherige Ich-Trunkenheit als Dunkelheit und diese Liebe, die mich da berührt wird zum hellen, warmen Licht.

Dankbar bin ich für die letzten Tage, die meine Spiritualität und meinen mystisch-kontemplativen Weg in Christus erneuert haben. Die Bücher „Aufstieg auf den Berg Karmel“ und „Dunkle Nacht der Seele“ vom spanischen Mystiker des 16. Jahrhunderts „Johannes vom Kreuz“ waren mir gehaltvoller Reisebegleiter – geschrieben von jemanden, der praktische Erfahrung im Durchwandern der Wüste und Nächte hat und ein tiefen-psychologischer und zutiefst seelsorgender Meister ist. Wie beschenkt wir doch durch diesen Kirchenlehrer sind.

Ein ruhiger, tiefer Frieden ist heute in mir und passt zum sonnigen, warmen Wetter nach vielen  dunkel-regnerischen Novembertagen…..

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