Der Mythologe Joseph Campbell identifizierte die archteypische Reise oder Quest, die Helden und Heldinnen in Geschichten, Märchen, Filmen, Mythen durchlaufen.

Der Drehbuchautor Christopher Vogler entwarf basierend auf Campbell diesen Weg des Helden als Anleitung für Drehbuchautoren, welche insbesondere in Hollywood Beachtung findet:

  • 1. Ausgangspunkt ist die gewohnte Welt des Helden.
  • 2. Der Held wird zum Abenteuer gerufen.
  • 3. Diesem Ruf verweigert er sich daraufhin zumeist.
  • 4. Ein Mentor überredet ihn daraufhin die Reise anzutreten und das Abenteuer beginnt.
  • 5. Der Held überschreitet die erste Schwelle, nach der es kein Zurück mehr gibt.
  • 6. Daraufhin wird er vor erste Bewährungsproben gestellt und trifft dabei auf Verbündete und Feinde.
  • 7. Nun dringt er bis zur tiefsten Höhle vor und trifft dabei auf den Gegner.
  • 8. Hier findet die entscheidende Prüfung statt: Konfrontation und Überwindung des Gegners.
  • 9. Der Held wird belohnt, indem er z.B. den Schatz oder das Elixier raubt.
  • 10. Nun tritt er den Rückweg an, während dessen es zur Auferstehung des Helden kommt.
  • 11. Diese Auferstehung ist nötig, da er durch das Abenteuer zu einer neuen Persönlichkeit gereift ist.
  • 12. Anschließend tritt der Held mit dem Elixier den Heimweg an.

Aufgaben, oder „Quests“ in World of Warcraft folgen genau diesem Schema und führen die Helden auf eine Reise des Wachstums. Das Bedürfnis vieler nach Initiation wird hier durch den Monomythos stark angesprochen. Im echten Leben mögen viele von uns vergeblich nach Riten des Übergangs und der Initiation suchen – auch wenn es sie noch gibt, wie in unserer Kirche.

Gestern durchlief ein 20jähriger, junger Erwachsener einen „Ritus der Neuwerdung“, welcher dem Taufritual angelehnt ist. Mir war es wichtig, einen Ritus zu entwerfen, der nicht vom System einprogrammiert ist, wie die üblichen Quests, sondern durch Spieler selbst inszeniert werden.

In der sehr belebten Stadt Sturmwind steht die beeindruckende „Kathedrale des Lichts“. In der Bibliothek führte ich mit dem jungen Zwergenjäger nach seiner einwöchigen Postulatszeit ein Vorgespräch. Er fühle sich Reif für einen Neubeginn. Er sehne sich nach Tiefe, Weisheit und nach einer wachstumsfördernden Gemeinschaft, in der es nicht um die schnelle Macht, den nächsten Kampf und flachen Chat gehe – in dem man auch gemütlich am Feuer sitzen könne, um über die tieferen Dinge des Lebens zu sprechen und einfach mit viel Witz schöne Abende der Gemeinschaft zu verbringen.

Wir schreiten in die Katakomben tief unter der Kathedrale. In der Todesstimmung lasse wir sterben, was uns vom Wesentlichen trennt, vom Licht in unserer Seele, vom kleinsten aller Samen.

Wir schreiten danach aus den Höhlen des Todes in den Heiligen Altarraum der Kathderale und übergeben uns der wandelnden Kraft des Lichts.

Eine Prozession führt uns zum See vor der Stadt. Wir tauchen unter bis der Atem knapp wird. Wir haben uns der Neugeburt im Heiligen Geist hingegeben und wurden mit dem Wasser der Vergebung rein gewaschen.

Wir teilen das Brot, Fisch und Wein am Ufer des Sees und sitzen gesellig am Feuer – sprechen über die Initiation.

—-

Riten des Übergangs in den mythologischen Umgebungen der Neuen Medien können uns mit einer tieferen Reise verbinden, die sich auch in unser echtes Leben hinein auswirkt. Gespannt bin ich auf weitere Riten und Erfahrungen. Ich werde an dieser Stelle darüber berichten.

Advertisements